Verlagsprogramm |
„Mit jedem Buch, das er veröffentlichte, sollte eine neue Erkenntnis, ein neues Stück Welt sichtbar gemacht werden. Das hat er durchaus nicht nur im Sinne des „Modernen“ begriffen, auch dort, wo es galt, längst Verschüttetes wieder ans Licht zu heben, hat er ein neues Stück Welt sichtbar gemacht. Weiterzugehen, gleichzeitig aber den Blick zurückzuwenden, das war einer der Leitsätze Eugen Claassens.“ (Hilde Claassen über den Verlagsgründer Eugen Claassen) Dr. Eugen Claassen und Dr. Henry Goverts gründeten im Dezember 1934 in Hamburg einen Verlag, der zunächst den Namen H. Goverts Verlag erhielt. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen auf Romanen und Lyrik, Geistes- und Naturwissenschaften. Vor allem die italienische Literatur wurde gepflegt. Der Bestseller >>Vom Winde verweht<< von Margaret Mitchell aus dem Jahre 1937 ermöglichte die Veröffentlichung zahlreicher italienischer Autoren, von denen uns vor allem Cesare Pavese und Elsa Morante in Erinnerung geblieben sind. Im Jahre 1938 erschien die deutsche Erstausgabe von Herman Melvilles >>Billy Budd<<, es folgten >>Moby Dick<< und >>Redburn<<. Melville galt neben Kafka als eine der großen Entdeckungen dieser Zeit. Während der Kriegsjahre pflegte der Verlag seine Weltoffenheit und seine humanistische Tradition so weit als möglich. Bücher, denen man eine Nähe zum Nationalsozialismus nachsagen könnte, wurden nicht veröffentlicht. Bei den schweren Bombenangriffen auf Hamburg im Juli 1943 wurden die Verlagsräume durch eine Luftmine verwüstet, wenn auch nicht zerstört. Der Verlag H. Goverts gehörte zu den ersten Verlagen, denen nach dem Krieg die Lizenz zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit erteilt wurde. Im Jahre 1946 erfolgte die Umbenennung in Claassen & Goverts Verlag GmbH. In diesem Jahr erschien auch >>Moby Dick<< in einer neuen Übersetzung, die viele Jahrzehnte als die beste deutsche Übertragung galt. Ein Zweigverlag (Claassen & Roether, Darmstadt) wurde unmittelbar nach dem Krieg in der amerikanischen Besatzungszone gegründet, jedoch bereits 1952 wieder aufgelöst. 1948 erschien u. a. >>Wiedersehen mit Brideshead<< von Evelyn Waugh, 1949 >>Howards End<< von E. M. Forster. Im März 1950, nachdem Goverts nach Vaduz übergesiedelt war und sich freundschaftlich von seinem Partner getrennt hatte, nahm der Verlag den Namen Claassen Verlag GmbH an. Im Jahre 1952 erschien die Erstausgabe von >>Träume von Rosen und Feuer<< des schwedischen Schriftstellers Eyvind Johnson, der später den Nobelpreis erhielt. Eugen Claassen führte das Haus bis zu seinem Tode am 26. April 1955 allein. Eugen Claassens Nachfolgerin wurde seine Ehefrau Hilde, sie sah ihre Aufgabe darin, den Verlag in seinem Geist weiterzuführen. Zu diesem Zeitpunkt brachte man mit dem Verlagsnamen Autoren von internationalem Rang in Verbindung wie André Maurois, Richard Wright, Miguel Angel Asturias, Clarice Lispector und Pablo Neruda. In der deutschen Literatur erinnern wir uns bis heute an Marie Luise Kaschnitz, Ernst Weiß, Irmgard Keun und Elisabeth Langgässer. Unter Hilde Claassen kamen Erich Fried, Georg Lukács und Heinrich Mann hinzu. In den Bereichen der Geisteswissenschaften und der bildenden Künste hat das Programm des Claassen Verlags immer wieder Höhepunkte hervorgebracht. 1960 erschien >>Masse und Macht<< von Elias Canetti, 1962 die Abhandlung >>Auftrag für morgen<< von Richard Neutra. Im Jahre 1964 rief Alfred Andersch die Reihe claassen cargo ins Leben. 1967 erschienen die Essays Über die Notwendigkeit der Kunst von Ernst Fischer. In diesem Jahr verkaufte Hilde Claassen den Verlag an den Econ Verlag (Düsseldorf). Das Lektorat blieb bis 1972 in Hamburg. Der Econ-Verleger Erwin Barth von Wehrenalp griff in seinen Planungen für den Claassen Verlag die Absichten des Gründers auf und führte sie weiter. In seiner Zeit entstanden die Reihe claassen poetica, die bibliotheca polonica, die Claassen Musikbücherei und der Plan einer umfassenden Melville-Ausgabe. Von 1972 bis 1978 leitete Gerhard Beckmann den Verlag, 1975 trat Arnulf Conradi als Lektor in den Verlag ein, dessen Leitung er später übernahm. 1973 begann das Jahrzehnt der Nobelpreisträger: Patrick White (1973), Eyvind Johnson (1974), Odysseas Elytis (1979), William Golding (1983). 1984 feierte der Verlag sein fünfzigjähriges Bestehen. Weitere wichtige Autoren kamen in diesen Jahren hinzu: Werner Heisenberg, Hans Henny Jahnn, Alexander Mitscherlich und Marlen Haushofer, auf der internationalen Seite Margaret Atwood und Barbara Tuchman. 1998 zog der Verlag nach dem Verkauf an den Verleger Christian Strasser nach München, auch er folgte gemeinsam mit der Verlagsleiterin Dr. Doris Janhsen den Gedanken und Absichten des Gründers. Nuala O’Faolain, Åke Edwardson, John Edgar Wideman und V. S. Naipaul, der im Jahre 2001 den Nobelpreis erhielt, zählen zu den neueren Autoren des Verlags. Albert Vigoleis Thelen, dessen Roman >>Die Insel des zweiten Gesichts<< erstmalig 1984 im Haus erschien, wurde neu aufgelegt. Im Mai 2004 zog der Verlag nach Berlin, wo ihn Viktor Niemann als Verleger unter dem Dach der Ullstein Buchverlage ansiedelte, die Verlagsleitung übernahm Dr. Siv Bublitz. Im Mittelpunkt des Verlagsprogramms steht nach wie vor die deutschsprachige und internationale Literatur. |
